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Laudatio für den MEZIS Negativpreis „Goldenes Zäpfchen“ 2026

  • Niklas Schurig, MEZIS Vorstand

  • 14.03.2026

Niklas Schurig hieß die Versammlung herzlich willkommen zur Verleihung des „Goldenen Zäpfchens“ 2026: „Wir vergeben diesen Negativpreis traditionell an Kandidaten aus der Pharma- und Gesundheitsbranche, die ihre Interessen erfolgreich und gewinnbringend in politischen Entscheidungen platzierten, die Produkte herstellen, die trotz schlechter Schaden-Nutzen-Bilanz oder ohne nachgewiesenen Zusatznutzen größtmögliche Gewinne einbringen und die hohe Summen in Sponsoring und damit in die Werbung für ihre Produkte bei ärztlichen Fortbildungen investieren.“…

„Unser heutiger Preisträger erzielte 2023 drei Milliarden Pfund Umsatz mit seinem Medikament. Das entspricht einem Anstieg von 72 % im Vergleich zum Vorjahr. Bis zum Ende dieses Jahres, 2026, sollen es 4 Milliarden Pfund werden. Das hört sich nach einem aktuellen Superblockbuster an. Handelt es sich um eine neue Abnehmspritze oder einen neuen Antikörper? Oder einfach nur gute Werbung?“…

„Das Erfolgsrezept unseres diesjährigen Preisträgers ist noch etwas anderes. Sein Produkt ist weder neu noch innovativ, es ist schon relativ lange bekannt und es gab auch andere Produkte in dem Bereich. Das Erfolgsrezept ist das Schlupfloch, das unser diesjähriger Preisträger gefunden hat, womit er diese eigentlich verbotene Laienwerbung durch die Hintertür – eigentlich ist es keine Hintertür, es ist ein Scheunentor – an die bundesdeutsche Bevölkerung bringen kann. Und natürlich haben auch andere Pharmaunternehmen diese Hintertür schon entdeckt.“ …

Der Trick: Mach die Krankheit bekannt

„Der simple Trick ist: Nenne nicht das Medikament, sondern nenne nur die Krankheit. Ersteres wäre verboten, letzteres aber – noch – nicht. Und wenn das Medikament gerade das einzig zugelassene Medikament für die Erkrankung in ganz Deutschland ist, gehen die Umsätze hoch. Bingo.“ …

„Bürgerinnen und Bürger werden trotz unseres Heilmittelwerbegesetzes überhaupt nicht effektiv gegen Werbung geschützt. Findige Jurist:innen und Marketingstrategen testen seit Jahren immer aggressiver die Grenzen des Zulässigen maximal aus. Verbraucher:innenschutz: Fehlanzeige. Interesse der Politik, das Problem juristisch einzudämmen: Fehlanzeige.“ …

„Wir gratulieren deshalb mit neuropathischen Schmerzen:
der Firma GlaxoSmithKline mit ihrem Produkt „Shingrix“, der Impfung gegen Gürtelrose, zum Gewinn unseres diesjährigen Preises, des Goldenen Zäpfchens 2026!“

Angsterzeugung und übertriebene Heilsversprechen

„Wir würdigen mit diesem Negativ-Preis den massiven Werbefeldzug dieser Firma an Bushaltestellen, in Zeitungen, im Radio, in Praxen, überall. Omnipräsent. Sie als Ärztinnen und Ärzte haben ein geschultes Auge. Sie wissen, um was es geht: Es geht um subtile Werbung, es geht um Angsterzeugung. Nur: das wissen unsere Patientinnen und Patienten nicht.

Wohlgemerkt, es geht uns bei dieser Preisverleihung nicht darum, über die Impfung zu reden, sondern es geht um die Werbung dazu. Wir von MEZIS sind der Meinung, dass diese Art der Werbung verboten werden muss.“…

„Wir haben mit Verweis auf das Heilmittelwerbegesetz die Verantwortlichen kontaktiert. Wir haben den „Beauftragten der Bundesregierung für Belange der Patientinnen und Patienten“ angesprochen und er fühlte sich nicht zuständig. Wir haben die Verbraucherzentrale, die Wettbewerbszentrale angefragt und sie schrieb uns, dass sie keinen Verstoß erkennen könne, da ja kein „Medikament genannt wird“. Wir haben die zuständige Aufsichtsbehörde in Bayern angefragt, auch die wollte auf mehrfache Nachfragen nichts unternehmen.
Zusammen mit anderen Organisationen haben wir also eine Petition in den Bundestag eingebracht, und wir hoffen, dass wir damit auch eine Sensibilisierung im gesundheitspolitischen Bereich erreichen können.

Denn eines ist klar: Diese offensichtliche Gesetzeslücke wird für einen Milliardenmarkt aggressiv ausgenutzt, lässt die Ausgaben im Gesundheitssystem ansteigen und gefährdet das Patient:innenwohl durch Angsterzeugung.
Klar ist aber auch: Wir von MEZIS bleiben dran.“

Wir haben auf der Webseite www.mezis.de/mezisbundestag Informationen und Beispiele zur Laienwerbung zusammengetragen.

Autor

Niklas Schurig

Dr. med. Niklas Schurig ist als Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Gemeinschaftspraxis in Rastatt niedergelassen. Seit 2012 engagiert er sich im MEZIS-Vorstand insbesondere zu den Themen ärztliche Fortbildungen und Digitalisierung.