Zum Hauptinhalt springen

Mondkalb meets Profi: Neues von MEZIS@Unis

  • Manja Dannenberg, MEZIS Vorstand

  • 22.02.2026

Most medical students do not obtain adequate education on how to critically respond to pharmaceutical promotion.“ – So konstatierte die Organisation Health Action International bereits 2019, und dieses Statement gilt auch weiterhin. Ein fruchtbarer Boden für Beeinflussung: professionell geschulte Marketingexpert:innen der Industrie treffen auf blauäugige Medizin-Mondkälbchen, die Gutes tun wollen und sich dabei im Medizinbetrieb von Rechtschaffenheit und Moral umgeben glauben!

Unsere Initiative hat es sich seit ihrer Gründung zu ihrer Aufgabe gemacht, das Thema „Umgang mit der pharmazeutischen Industrie“ als (verpflichtenden?!) Inhalt ins Medizinstudium zu bringen. Nun nimmt dieses Vorhaben endlich wieder Fahrt auf – von politischer Seite dürfen wir wohl auch weiterhin keine Initiative dahingehend erwarten.

Vereinzelte Kooperationen gab es über die Jahre immer wieder mit der einen oder anderen Fakultät, uns fehlt jedoch der Überblick, welche Lehrangebote und -erfahrungen es zu diesem Thema deutschlandweit bereits gibt. Auch wäre für ein flächendeckenderes Angebot eine Art Werkzeugkiste mit verschiedenen Formaten und konsentierten Inhalten hilfreich. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit Dozierenden der Uni Erlangen und der Uni Dresden wollen wir nun in den nächsten Monaten eine erste Grundstruktur für einen semesterüberspannenden Wahlpflichtunterricht entwickeln.

Zu einem Thema („Interessenkonflikte“), das Studierende (im Übrigen auch unsere gestandenen Kolleg:innen!) eher zum Gähnen bringt, praxisnahe und interaktive Unterrichtseinheiten zu entwerfen, bleibt eine spannende Herausforderung, der wir uns mit dem Format „INTEGERAN forte – Stärke deine Immunität“ stellen wollen. Erste Erfahrungen zeigen, dass wir zunächst einmal wesentliche Grundlagen rund um Arzeimittelentwicklung und -zulassung, um Nutzenbewertung, Preisgestaltung und Vermarktung vermitteln müssen, um dann unsere (im tatsächlichen Sinne) entscheidende Position als Ärztinnen und Ärzte in diesem System verständlich machen zu können – eine Position, die eine hohe Verantwortung, aber auch eine hohe Vulnerabilität mit sich bringt. Eine Position, die Ziel so vielfältiger, teils äußerst subtiler Marketingmaßnahmen ist.

Anhand praxisnaher Rollen- und Situationsbeispiele lässt sich das Geflecht von eigenen und fremden Interessen veranschaulichen – und die Konflikte, in die wir bei unserer Arbeit schnell geraten können, nachvollziehbar machen.

Und natürlich ist man als Dozent:in gut beraten, mit gutem Beispiel zu wirken und den Umgang mit dem eigenen Interessenkonfliktfeld ehrlich darzustellen.

Mit so vielen Denkanstößen versorgt, stärken wir die Immunität heranwachsender Mediziner:innen gegen Einflussnahmen und rütteln auch an unseren eigenen blinden Flecken.

Autorin

Manja Dannenberg

Manja Dannenberg ist niedergelassene Hausärztin in einer Gemeinschaftspraxis in Mecklenburg-Vorpommern und Lehrärztin der Universität Rostock. Sie ist MEZIS Vorstandsmitglied seit 2011.