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Rubrik: Allgemein
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Schlagwörter: Direct-to-Consumer Advertisement DTCA, Laien-Werbung
Angsterzeugende Laienwerbung und das Forum Impfen
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Niklas Schurig, MEZIS Vorstand
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09.02.2026
Die Pharmafirma GlaxoSmithKline (GSK) überzieht dieser Tage die Republik erneut mit angsterzeugender Werbung in den Medien, z. B. mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen, die titeln: „RSV-Saison erreicht kritische Phase“. Wobei Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente in der Laienpresse verboten ist, auch, um Vorfälle wie in den USA nach der Werbung für Opioide mit Hunderttausenden Toten zu verhindern.
Die Pharmafirmen umgehen das Werbeverbot geschickt und nutzen alle möglichen Wege. Wir von MEZIS haben deswegen 2025 eine Petition zur Schärfung des Heilmittelwerbegesetzes in den Bundestag eingebracht (weitere Informationen und Beispiele zu Laienwerbung auf der Webseite www.mezis.de/mezisbundestag).
In der aktuellen Werbekampagne zeigt GSK das Gesicht eines Mediziners, der folgendermaßen zitiert wird: „Die Impfung ist eine wichtige Maßnahme, um Lebensqualität zu erhalten.“ Diese Aussage verleiht der Werbung ein größeres Gewicht bei den Lesenden. Schließlich unterstützen ja sogar Ärzte diese Impfung!
Die erwähnte Person betreibt den Verein „Forum Impfen e.V.“, der sich selbst als „die größte umfangreichste deutsche Serviceplattform für medizinische Fachkräfte rund um das Thema Impfen“ bezeichnet. Der Verein erhielt allein in den letzten drei Jahren über 100.000 € von den führenden Pharmaherstellern – und ist so eine weitere Lobby-Organisation für gezieltes Pharma-Marketing bis in medizinische Fachkreise hinein. So konnte sich der Verein zum Beispiel auch in der eigentlich Industrie-unabhängigen „Bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft Impfen“ (LAGI) platzieren und bietet als Kooperationspartner der bayerischen Kassenärztlichen Vereinigung KVB „pharmaneutrale“ Fortbildungen zum Thema Impfen an.
Wie viel Geld der Arzt für seine jetzige Werbekampagne von GSK bekommt und ob er sich durch diese Einnahmen befangen sieht, wollte er uns auf Nachfrage nicht mitteilen. Wir haben die LAGI und die KVB zu deren Kooperationen mit diesem Verein ebenfalls befragt.
Die KV Bayern antwortete:
„[…] Für von der Pharmaindustrie unredlich beeinflusste Aktivitäten sehen wir keine greifbaren Anhaltspunkte, die eine Kooperation generell verbieten würden. Grundlage unserer Einschätzung sind insbesondere
– die Neutralität und Sachlichkeit der Fortbildungsinhalte im Rahmen von „Impfex“,
– die gebotene Neutralität und Sachlichkeit von Publikationen des Forum Impfen e.V., hier gelten u.E. zentral die STIKO-Empfehlungen, aktuelle Fachinformationen sowie fachliche Diskussionsergebnisse,
– die ergriffenen Transparenzmaßnahmen (Selbstbindung und Einhaltung des FSA-Kodex Fachkreise (§ 20 Abs.5); es werden Spenden von neun verschiedenen Impfstoff-Herstellern im Umfang von 3.000 € bis 21.000 € über die letzten drei Jahre offengelegt), sowie
– der Umstand, dass der Verein und seine Zwecke durch eine Vielzahl von Unternehmen gefördert wird; eine schwerpunktmäßige Zusammenarbeit mit einzelnen oder gar Empfehlung einzelner Hersteller oder Impfstoffe ist nicht erkennbar.“
Hier die Selbstdeklaration der Spenden der vergangenen Jahre: https://www.forum-impfen.de/impfstoff-hersteller“
„Wir danken allen Sponsoren, die durch Ihre Unterstützung die Durchführung der Aktivitäten und Veranstaltungen ermöglichen. Offenlegung der Unterstützung gemäß erweiterter Transparenzvorgabe des FSA-Kodex Fachkreise (§20 Abs. 5) für die letzten drei Jahre:
Sponsorenbeiträge 2022:
GlaxoSmithKlineGmbH & Co. KG (6.000 €),
MSD Sharp & Dohme GmbH (5.000 €),
Pfizer Pharma GmbH (7.000 €),
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (8.000 €)
Sponsorenbeiträge 2023:
GlaxoSmithKlineGmbH & Co. KG (6.000 €),
MSD Sharp & Dohme GmbH (5.000 €),
Pfizer Pharma GmbH (7.000 €),
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (8.000 €)
Sponsorenbeiträge 2024:
BioNTech SE (3.000 €)
GlaxoSmithKlineGmbH & Co. KG (6.000 €),
MSD Sharp & Dohme GmbH (5.000 €),
Pfizer Pharma GmbH (7.000 €),
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (8.000 €),
Seqirus GmbH (5.000 €)
Sponsorenbeiträge 2025:
AstraZeneca (4.100 €),
GlaxoSmithKlineGmbH & Co. KG (6.000 €),
MSD Sharp & Dohme GmbH (5.000 €),
Pfizer Pharma GmbH (7.000 €),
Sanofi Deutschland GmbH (8.000 €),
Seqirus GmbH (5.000 €),
Takeda GmbH (3.000 €).“
Autor

Niklas Schurig
Dr. med. Niklas Schurig ist als Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Gemeinschaftspraxis in Rastatt niedergelassen. Seit 2012 engagiert er sich im MEZIS-Vorstand insbesondere zu den Themen ärztliche Fortbildungen und Digitalisierung.
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