Patentantrag auf Sofosbuvir (Sovaldi®) in Indien abgelehnt

Patentantrag auf Sofosbuvir (Sovaldi®) von Gilead in Indien abgelehnt
Hoffnung für Hepatitis-C-Kranke auf günstigere Generika

Was viele kaum zu hoffen gewagt haben, ist nun geschehen: Am 13.1.2015 hat das oberste indische Gericht den Patentantrag der Firma Gilead auf ihr neues Hepatitis-C-Medikament Sofosbuvir (Sovaldi ®) abgelehnt. Seit der Zulassung dieses Medikaments Ende 2013 steht der Hersteller wegen seiner überzogenen Preisforderungen in massiver Kritik (60 000 Euro für die Gesamttherapie). Dem Patent widersprochen hatten auch der indische Generikahersteller Natco und die New Yorker Initiative für Medicines, Access & Knowledge (I-MAK). „Durch das Urteil bekommen wir Sofosbuvir aus der Monopol-Festung Gileads heraus“, jubelt Dr. Christiane Fischer, die ärztliche Geschäftsführerin von MEZIS.

Möglich war diese Entscheidung, da laut indischem Patentrecht kleine Veränderungen bestehender Substanzen als nicht innovativ genug angesehen werden, um das Medikament für ein Patent zu qualifizieren, auch wenn der Wirkstoff – wie in diesem Fall – sehr gut wirksam ist. Sofosbuvir kann nach diesem Urteil in Indien als Generikum – und damit deutlich preiswerter – produziert werden.

Was bedeutet das Urteil für Deutschland? In Deutschland und den meisten europäischen Ländern besitzt Gilead Patentschutz für sein Präparat, Nachahmerpräparate dürfen daher nicht nach Deutschland importiert werden. Entgegen der Verlautbarung des Herstellers, der keine Konsequenzen für Europa aus diesem Urteil erwartet, gehen wir dennoch von einem Preiseinbruch in Deutschland aus. Denn die Produktionskosten des Medikaments liegen bei nicht einmal 100 Euro für die Gesamttherapie. „Der politische Druck auf Gilead, Sofosbuvir günstiger zu verkaufen, wird auch in Deutschland wachsen“, erklärt Dr. Niklas Schurig von MEZIS.

Ansprechpersonen:

2007 hat sich die Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte MEZIS e.V. „Mein Essen zahl ich selbst“ gegründet:

  • MEZIS wehrt sich gegen die allgegenwärtigen Beeinflussungen durch die Pharmaindustrie.

  • MEZIS sensibilisiert ärztliche KollegInnen und Medizinstudierende: Wer sich Kulis, Essen, Studien, Reisespesen und Anwendungsbeobachtungen finanzieren lässt, wird in seinem Verschreibungsverhalten beeinflussbar.

  • MEZIS fordert ein klares Verbot von Beeinflussungen und Bestechlichkeit im ärztlichen Berufsrecht.

  • MEZIS engagiert sich für herstellerunabhängige Informationen und Fortbildungen sowie werbefreie Praxissoftware.

  • MEZIS ist Teil des weltweiten No-free-lunch-Netzwerks.