Mond-Preis für neues Hepatitis C Medikament schadet dem Gesundheitssystem

Hamm, 12.8.2014 – Die meisten der neuen Medikamente, die die Pharmaunternehmen auf den Markt bringen, sind nur Scheininnovationen ohne therapeutischen Mehrwert. Von 1974 bis 2004 konnten nur maximal 20 Prozent der 1.600 neuen Substanzen für Medikamente als echte Innovationen, also als therapeutisch besser als die Vergleichssubstanz, eingestuft werden.

Jetzt ist der Firma Gilead eine der seltenen und medizinisch wichtigen echten Innovation gelungen. Der Wirkstoff Sofosbuvir (Sovaldi®) soll eine 90 Prozent Heilungschance bei Hepatitis C erzielen. Ein echter medizinischer Durchbruch! Mit den alten Therapien sind die Chancen auf Heilung nicht einmal halb so groß und die Therapie dauert doppelt so lange. Die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMA, unabhängige ArzneimittelexpertInnen sowie der gemeinsame Bundesausschuss empfehlen daher die Therapie. Gleichzeitig kritisieren sie den maßlos überteuerten Preis des Hepatitis C-Medikaments. Für die Gesamttherapie werden in 12 Wochen geschlagene 60.000 Euro fällig.

„Das ist pure Gier. Der utopische Preis ist nicht die Folge einer komplizierten Herstellung, denn das sind nur ca. 100 US-Dollar für die gesamte zwölfwöchigeTherapie “, folgert Dr. Christiane Fischer, die ärztliche Geschäftsführerin von MEZIS. Doch Hepatitis C wird von den Herstellern als sehr lukratives Geschäft betrachtet. Weltweit sind rund 150 Millionen Menschen infiziert, in Deutschland etwa 400.000. Offensichtlich werden gerade Preise für die wenigen wirksamen echten Innovationen in die Höhe getrieben. In Deutschland ist das zum Schaden der Krankenkassen, des Gesundheitssystems und letztendlich aller SteuerzahlerInnen. Die AOK befürchtet Ausgaben von bis zu fünf Milliarden Euro allein in diesem Jahr. Doch 90 Prozent der Hepatitis C-Kranken treten in armen Ländern auf, viele von ihnen sind gleichzeitig HIV positiv. Für sie ist Sofosbuvir unbezahlbar, der Zugang zu dem Medikament für sie nicht selten eine Frage von Leben und Tod.

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