Pressemitteilung: Leben – eine Kostenfrage?!

Dramatische Auswirkungen überhöhter Medikamentenpreise auf den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten
Fachtagung am 1.-2.12.2016 in Berlin

Der Preis eines Medikaments orientiert sich weder an Forschungs- und Entwicklungskosten, noch an den Produktionskosten, sondern allein am vermuteten Marktwert. Ein Hauptgrund für überhöhte Arzneimittelpreise sind Monopole. Monopole verknappen das Angebot und erhöhen den Preis. Dadurch haben sie eine dramatische Wirkung auf den Zugang zu Medikamenten. Monopole entstehen, wenn es nur einen Anbieter gibt – entweder bei vernachlässigten alten Medikamenten, die heute als „Spezialmedikamente“ gegen seltene Krankheiten zu neuem Einsatz kommen oder durch Arzneimittelpatente auf neue Arzneimittel. Monopole haben Mondpreise zur Folge: Alemtuzumab wurde weltweit als Krebsmedikament gegen B-Zell Leukämie vom Markt genommen und als MS-Medikament wieder zugelassen – aufgehübscht mit einen neuen Patent zum 44-fachen Preis pro Milligramm. Das Antibiotikum Doxycyclin kostet in Deutschland, wo immer noch vier Generikahersteller denselben Wirkstoff herstellen, 20,75 Euro für 100 Tabletten. Doch seit es in den USA nur einen einzigen Produzenten gibt, stieg der Preis 2014 auf 1.849 US-Dollar.

Prof. Thomas Lempert, Mitglied der Initiative MEZIS und Neurologe in Berlin, erklärt: „Überhöhte Arzneimittelpreise haben gravierende Auswirkungen auf den Zugang zu Medikamenten mit nachgewiesenem therapeutischen Fortschritt. War bisher der Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten nur im globalen Süden ein Problem, ist dies zunehmend auch in reichen Ländern wie Deutschland der Fall.“

„Wir wissen aus dem HIV-Bereich, dass weltweiter Zugang zu lebenserhaltenden Medikamenten erst möglich wurde, als kostengünstige Generika verfügbar waren. Hochpreisige Medikamente verhindern den Zugang und tragen dazu bei, dass Menschen unnötig an Krankheiten sterben müssen, die behandelbar sind. Als Zivilgesellschaft fordern wir, das Recht auf Gesundheit überall geltend zu machen“, führt Astrid Berner-Rodoreda, Referentin für HIV und Aids bei Brot für die Welt, aus.

Die ärztliche Organisation MEZIS („Mein Essen zahl ich selbst“) veranstaltet am 1.-2.12.2016 in Berlin eine Fachtagung mit ExpertInnen vieler Organisationen. Auf der Veranstaltung werden die Ursachen der immer teurer werdenden medikamentösen Therapien und die Auswirkungen auf den Zugang zu diesen Arzneimitteln in Nord und Süd eingehend beleuchtet. Christiane Fischer, die Ärztliche Geschäftsführerin von MEZIS, fasst zusammen: „Eine andere Medizin ist möglich, die sich nur am PatientInnenwohl und nicht an den ökonomischen Interessen der Pharmaindustrie orientiert!“

Ansprechpersonen:
– Dr. Christiane Fischer, Ärztliche Geschäftsführerin MEZIS: fischer@mezis.de, Tel: 01575-5575135

– Astrid Berner-Rodoreda, Brot für die Welt, Referentin für HIV und Aids: Astrid.Berner-Rodoreda@brot-fuer-die-welt.de, Tel: 030-65211-1825

– Prof. Dr. Thomas Lempert:  Thomas.Lempert@schlosspark-klinik.de ,Tel: 030-3150 6684

 

Weitere Informationen: www.mezis.de –  Fachtagung Leben eine KostenfragePodiumsdiskussion