MEZIS unterstützt die Gründung von No Free Lunch India

Pressemitteilung |  7.3.2016  | MEZIS unterstützt die Gründung von „No Free Lunch India“
Antikorruptionsgesetz in Deutschland durch Lobbyismus des vfa auf Eis

In Indien haben viele nicht genug zu essen. Doch gerade dort wurde in Zusammenarbeit mit MEZIS, der Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte, eine „No Free Lunch“-Bewegung gegründet. Sie fokussiert auf die weltweit üblichen Essenseinladungen der Arzneimittelhersteller als Einflussnahme auf die MedizinerInnen.

Korruption ist ein weltweites Problem. Auch und gerade im Gesundheitswesen. Dort, wo Gelder der Solidargemeinschaft den Bedürftigen zu Gute kommen sollten, stattdessen aber viel zu oft in den Taschen der Geschäftstüchtigen landen. Und das weltweit, denn Korruption im Gesundheitswesen ist ein globales Problem in Deutschland wie in Indien.

Pharmagesponserte Mahlzeiten für ÄrztInnen waren der Auslöser für eine ärztliche Diskussion um Bestechlichkeit. MEZIS ist die Initiative von mehr als 720 deutschsprachigen ÄrztInnen, die sich gegen Korruption im Gesundheitswesen einsetzen. „Wir sind nicht allein, MEZIS ist Teil der internationalen ‚No Free Lunch‘-Bewegung. Jetzt gibt es mit ‚No Free Lunch India‘ auch in Indien eine Gruppe von MedizinerInnen, die sich gegen die allgegenwärtigen Beeinflussungen durch die Pharmaindustrie wehrt“, führt Dr. Christiane Fischer, Ärztliche Geschäftsführerin von MEZIS, aus.

Am 3.3.2016 wurde auf dem „Technical Forum on Free Medicines and Diagnostics to All” “No Free Lunch India” gegründet. MEZIS war Pate: Die Idee entstand 2014 auf der indischen Bioethikkonferenz, wo das Symposium „Corruption in health care and medicine“ von MEZIS organisiert und geleitet wurde.

„Die Gründung von ‚No Free Lunch India‘ zeigt, dass man überall auf der Welt etwas tun kann gegen Bestechung, Interessenkonflikte und Korruption in der Gesundheitsversorgung“, so Dr. Christiane Fischer. Wie die Mechanismen korruptiven Verhaltens entstehen, ist ebenso bekannt wie die Lösungen.

Antikorruptionsgesetz derzeit auf Eis

Eine davon in Deutschland ist das geplante Antikorruptionsgesetz. Das Verbot von Bestechung und Bestechlichkeit soll in den neuen § 299 a und b für alle Heilberufe im Strafgesetzbuch verankert werden. MEZIS begrüßt die Stoßrichtung des Gesetzesvorschlags als Fortschritt gegenüber der gegenwärtigen Rechtslage, bemängelt aber, dass die ebenfalls korrumpierend wirkende und häufiger vorkommende Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung außen vor bleibt. Noch mehr kritisiert MEZIS die offensichtliche Einflussnahme des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller(vfa). Denn der Industrielobbyismus des vfa scheint das wichtige Gesetz zu verzögern, das jetzt verabschiedet werden soll. Statt einer klaren gesetzlichen Regelung setzt der vfa auf eine zahnlose „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie“ der (FSA). „Selbstverpflichtungen sind das schwächste Kontrollinstrument und haben das Ziel, gesetzliche Regelungen zu verhindern“, führt Manja Dannenberg, Vorstandsmitglied von MEZIS, aus. Der vfa versucht Änderungen zum Schaden der PatientInnen durchzusetzen. Diese lehnen wir klar ab!

Auch wenn nur Bestechung und Bestechlichkeit mit dem Gesetz verboten werden sollen und daher Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung wie Beeinflussungen von ÄrztInnen durch pharmagesponserte Kongresse, die Übernahme von Fahrtkosten oder Teilnahmegebühren sowie Essenseinladungen straffrei bleiben, ist das Gesetz dennoch ein Schritt in die richtige Richtung. Die neuen Diskussionen um den Gesetzentwurf wird MEZIS nutzen, um auch zu fordern, dass Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung strafrechtlich geahndet werden.

Dr. Jan Salzmann, Vorstandmitglied bei MEZIS, zieht folgenden Schluss: „ Die Gründung von ‚No Free Lunch India‘ zeigt, wie dringend notwendig es ist, die verschiedenen Gesichter der Korruption im Gesundheitswesen überall auf der Welt zu bekämpfen. In Deutschland setzen wir uns für ein schlagkräftiges Antikorruptionsgesetz ein, um dieses Ziel zu erreichen.“

Ansprechpersonen:
– Dr. Christiane Fischer, Ärztliche Geschäftsführerin MEZIS: fischer@mezis.de, Tel.: 01575-5575135
– Dr. Jan Salzmann, MEZIS-Vorstand: salzmann@mezis.de , Tel: 0151-22240592; 0241-508074
– Manja Dannenberg, MEZIS-Vorstand: dannenberg@mezis.de , Tel: 01520-4030154