Pensionsfonds und Investoren machen Druck auf Pharmaunternehmen, Ihre klinischen Studien offenzulegen

All Trials, das in Großbritannien ansässige internationale Kampagnenbündnis zur Registrierung und Offenlegung aller klinischen Studien hat Ende Juli seine Kampagne auf die USA ausgedehnt. Diese wurde von 50 US PatientInnen- und VerbraucherInnenorganisationen sowie medizinischen Gesellschaften lanciert, darunter the American College of Physicians, die American Psychiatric Association and the American Medical Student’s Association. Inzwischen wird die AllTrials Kampagne, die u.a. vor etwa 2 Jahren begann und von dem britischen Wissenschaftsjournalisten und Arzt, Ben Goldacre, dem British Medical Journal und der gemeinnützigen Organisation Sense About Science initiiert wurde, weltweit von über 600 Organisationen und knapp 600.000 Personen aus dem Gesundheitsbereich unterstützt: neben MEZIS auch zahlreiche andere deutsche ÄrztInnenorganisationen, darunter die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. Die Kampagne hatte bereits erfolgreich auf die EU Gesetzgebung 2014 eingewirkt, die nunmehr vorsieht, dass ab 2016 alle klinische Studien, wenn auch nur für die Zukunft, registriert und veröffentlicht werden müssen. Jetzt ist ihr der Coup gelungen, größere Pensionsfonds und InvestorInnen mit einem Gesamtanlagevermögen von 3,8 Billionen Dollar dazu zu bringen, All Trials zu unterstützen. Die Fonds wollen auf Pharmaunternehmen Druck ausüben, dass diese ihre Studien offenlegen. Investoren in einer solchen Größenordnung werden von Unternehmen zur Kenntnis genommen. Damit bekommt das Thema eine neue Dimension. In Leitartikel der internationalen Finanz- und Wirtschaftspresse (FT, the Economist, WallStreetJournal) wurde breit darüber berichtet. Weitere InvestorInnen wollen folgen. AllTrials hat zudem eine Prüfung der Offenlegungspolitiken der 50 größten Pharmaunternehmen angekündigt und will jedes Unternehmen bis September mit einer Punktzahl bewerten. Dieses Ranking soll als Entscheidungshilfe für Investoren dienen. Zum Hintergrund: Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller klinischen Studien nicht veröffentlicht werden, meist weil sie ungünstige oder negative Ergebnisse zeigen. Dadurch wird das Bild, wie diese Arzneimittel wirken verfälscht (s. Spiegel Beitrag unten). Daher kann selbst bei bestem Wissen und Gewissen kein Arzt und keine Ärztin sicher sein, wie die Medikamente, die sie den PatientInnen verschreiben, wirklich wirken. Zudem riskieren PatientInnen ihre Gesundheit, indem sie an Studien teilnehmen, ohne dass diese veröffentlicht werden. Dabei wird ihr Vertrauen missbraucht, indem sie im Glauben gelassen werden, dass ihre Teilnahme der Wissenschaft und anderen PatientInnen dient. Ein unhaltbarer Zustand und Skandal zugleich, der bisher toleriert wurde. Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden. Auch wenn starke Industrieinteressen dem entgegenstehen. www.alltrials.net