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MEZIS: Negativpreis „Goldenes Zäpfchen“ an den Pharmakonzern GlaxoSmithKline vergeben


Ärzt:inneninitiative „MEZIS – Mein Essen zahl‘ ich selbst“ rügt indirekte Laienwerbung für Impfstoff gegen Gürtelrose

Er habe die Laudatio mit Nervenschmerzen geschrieben, witzelte Dr. Niklas Schurig, Vorstandsmitglied der Initiative „MEZIS – Mein Essen zahl‘ ich selbst“ zu Beginn seiner Rede zum Negativpreis „Goldenes Zäpfchen“, der am vergangenen Samstag nun schon zum dritten Mal für ein besonders dreistes und gewinnbringendes Beispiel von Einflussnahmen im Gesundheitswesen an ein Pharmaunternehmen ging. MEZIS hat den Award im Rahmen ihrer diesjährigen Fachtagung „Arzneimittelversorgung mit Zukunft – Was brauchen wir wirklich?“ in Göttingen verliehen. Hier geht es zum Mitschnitt der Laudatio.

Das pharmazeutische Unternehmen GlaxoSmithKline fällt seit einigen Jahren mit einer groß angelegten Werbekampagne an Haltestellen und in Printmedien auf, bei der Aufmerksamkeit für die Gürtelroseerkrankung geschaffen und für die Schutz versprechende Impfung geworben wird – ohne deren Namen jedoch explizit zu nennen. Damit nutzt das Unternehmen, das Hersteller des einzig hierfür zugelassenen Impfstoffes ist, äußerst kalkuliert Schlupflöcher des Heilmittelwerbegesetzes aus.

„Für verschreibungspflichtige Arzneimittel – und damit auch Impfstoffe – darf nach diesem Gesetz außerhalb von Fachkreisen nicht geworben werden“, erklärt Manja Dannenberg, ebenfalls Vorstandsmitglied von MEZIS. „Und schon gar nicht mit Krankengeschichten und bildlichen Darstellungen!“

„Werbung durch Angsterzeugung“, prangert Dr. Schurig, selbst niedergelassener Hausarzt, weiter in seiner Laudatio an: Auf den Plakaten und in den Zeitungsannoncen werden schockierende Bilder gezeigt, erschreckende Leidensgeschichten Einzelner widergegeben und ein falsch hohes Risiko für Komplikationen suggeriert. Offensichtlich mit Erfolg: GlaxoSmithKline konnte bereits im Jahr 2023 seinen Umsatz mit dem Gürtelroseimpfstoff um 72 % im Vergleich zum Vorjahr steigern und peilt für 2026 mit 4 Milliarden Pfund einen neuen Umsatzrekord an.

„Die Beratung und Aufklärung zu empfohlenen Impfungen gehört in die Sprechstunde und nicht in die Hände der Hersteller!“, stellt Manja Dannenberg, ebenfalls Hausärztin, klar. „Nur im Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten können individuell Nutzen und Risiken einer Impfung abgewogen und eine fundierte Entscheidung – ohne Angst – getroffen werden.“

„Mein Essen zahl‘ ich selbst“, die Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte, hatte bereits im Vorfeld diese Form der indirekten Laienwerbung, die zunehmend auch von anderen Herstellern für groß angelegte Kampagnen verwendet wird, bei zuständigen Aufsichtsbehörden angeprangert. Jedoch ohne Erfolg: Ohne namentliche Nennung des Arzneimittels oder Impfstoffes greift das Heilmittelwerbegesetz nicht. MEZIS hat daher gemeinsam mit Partnerinitiativen eine Petition zur Schärfung des Gesetzes beim Bundestag eingereicht.