Täglich grüßt das Murmeltier: Interessenkonflikte bei der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie e.V.
Seit Jahren weisen wir auf massive Interessenkonflikte bei der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie e.V. hin. Sei es beim DGK-Portal herzmedizin.de, das alleine die fünf größten Pharmafirmen jeweils mit 150.000 Euro jährlich finanzieren oder die industrienahen Positionspapiere der DGK zu Blockbustern.
Jüngst äußerten sich drei Spitzenkardiologen, darunter der Präsident der DGK, im Science Media Center sehr positiv zu Cholesterin senkenden Medikamenten. Was der Leser nicht erkennen konnte: Zwei der drei Kardiologen unterschlugen ihre relevanten Interessenkonflikte, der dritte Kardiologe ist direkt bezahlter Redner für Firmen, die diese Medikamente herstellen.
Das jüngste Beispiel für Interessenkonflikte in der DGK betrifft ihren Präsidenten: Er gab mehrfach Interessenkonflikterklärungen ab, die unvollständig waren. So gab er beim Science Media Center an: „Ich besitze keine Interessenkonflikte, nehme seit Jahren keine ‚Industrievorträge‘ an und habe seit Jahren kein Honorar von der Industrie erhalten.“ 2025 gab er jedoch noch im Ärzteblatt an: Er habe „Vortragshonorare erhalten von Bristol Myers Squibb, Boehringer Ingelheim, Daiichi Sankyo und GSK“ und weiter „SB ist Mitglied in Beratungsgremien und Berater von Thermo Fisher Scientific“. Mangels Zeitangabe lässt sich nicht klären, ob diese Vorträge vielleicht bereits mehr als 3 Jahre zurückliegen und nicht mehr deklariert werden müßten, unklar bleibt aber auch, in welchen Advisory Boards er aktuell noch sitzt.
Schwerer wiegt aber das Verschweigen eines Patents und Firmenanteilen. So gab er im Ärzteblatt 2025 an: „Mitentwickler eines internationalen Patents zur Nutzung eines Computergeräts zur Schätzung der Wahrscheinlichkeit eines Myokardinfarkts“ zu sein (Patent-Details). Zudem ist er „Mitgründer der ART-EMIS GmbH„, veräußerte seinen Anteil im Jahr 2023. Die Firma Firma ART-EMIS vertreibt den ACS-Pathfinder, ein System das nach eigener Aussage mit „künstlicher Intelligenz“ einen „neuen Standard für eine personalisierte Herzinfarkt-Diagnostik“ schaffen soll.
Die AWMF definiert „Eigentümerinneninteressen“ oder ein „Patent“ innerhalb „der zurückliegenden 3 Jahre“ als ein „hohes“ Risiko bei Interessenkonflikten. Bei der AWMF dürfte der Präsident somit bei Fragen z.B. zu Herzinfarkt-Risiko-Scores als Leitlinien-Autor weder an Beratungen noch an den Abstimmungen dazu teilnehmen.
An anderer Stelle äußert er sich aber sehr wohl zu Risiko-Scores, verschweigt aber diesen Interessenkonflikt – so z.B. im jüngsten Evidenz-Update-Podcast. Zentrales Thema des Podcasts war die Risikobestimmung von kardiovaskulären Risiken. Er kritisierte dabei ausführlich den Marburger Herzscore, ein kostenfreies (Konkurrenz-)Tool ebenfalls zur Bestimmung von Herzinfarktrisiken.
In diesem Licht muss auch die Kritik der DGK am Marburger Herzscore (die zum Ausstieg der DGK aus dem Leitlinienprozess führte) vom letzten Jahr neu bewertet werden. Auffallend ist zu dem, dass auch in anderen Studien wie: „Rising and Falling High‐Sensitivity Cardiac Troponin in Diagnostic Algorithms for Patients With Suspected Myocardial Infarction“ (JAHA, 2023) sowohl das Patent als auch der Firmenanteil in den Interessenkonflikterklärungen fehlen.
Die DKG und ihr Präsident sind gefordert, diese Interessenkonflikt-Problematik endlich ernsthaft anzugehen. Ein guter Start wäre eine Antwort auf unseren offenen Brief zur Leitlinieproblematik vom Herbst 2025.