Europäischer Antibiotikatag 2021: MEZIS unterstützt Appell der BUKO Pharmakampagne und Germanwatch

Europäischer Antibiotikatag 2021: MEZIS unterstützt Appell der BUKO Pharmakampagne und Germanwatch
Die moderne Medizin ist ohne Antibiotika undenkbar. Ihre Verfügbarkeit zur Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten rettet täglich weltweit unzählige Leben. Durch die zunehmende Entstehung und Verbreitung antimikrobieller Resistenzen (AMR) laufen wir aktuell jedoch Gefahr, wirksame Antibiotika zu verlieren – nichts weniger als die globale Gesundheit steht auf dem Spiel. Der hohe und regelmäßige, Resistenzen begünstigende Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ist deshalb nicht mehr hinnehmbar.

Anlässlich des European Antibiotic Awareness Day 2021 richtet ein breites Bündnis von Organisationen aus der Human- und Veterinärmedizin sowie Umwelt und Tierschutz einen dringenden Appell an die Europäische Kommission sowie an die zuständigen Ministerien: „Wichtigste Antibiotika bewahren – stärkere Regulierung (in) der Tierhaltung!“

Hier geht es zum Antibiotika-Appell. 

MEZIS Beiratsmitglied, Dr. med. Helmut Jäger, hat zu diesem Thema einen umfassenden Artikel verfasst. Lesen Sie hier.

Abstract:
Antibiotika-resistente Bakterien verbreiten sich weltweit mit rasanter Geschwindigkeit. Der Siegeszug der modernen Medizin „gegen Keime“ wird durch diese Pandemie in absehbarer Zeit beendet werden. Antibiotika wählen Mikroorganismen aus, die gegen sie unempfindlich sind. Ihr Nutzen kann daher immer nur zeitlich begrenzt sein. Die pharmazeutische Industrie verliert zunehmend das Interesse an der sehr aufwendigen Entwicklung neuer Antibiotika, weil auch bei neuen Substanzen Resistenzen (nach nur wenigen Jahren) auftreten werden und der Verkauf dieser Produkte folglich wenig lukrativ sein wird. Einige Länder (u.a. Holland) haben aus den bisherigen Fehlern gelernt und setzen sich für eine rationale (deutlich verminderte) Nutzung von Antibiotika ein.

Eigentlich müsste die Antibiotika-resistenz, die sich nicht aufhalten lässt, zu einem Paradigmenwechsel im Umgang mit den Mini-Lebewesen führen, die uns umgeben und die uns ausmachen. Denn Menschen sind Superorganismen, die u.a. aus intra- und extrazellulären Mikro-Organismen und Viren bestehen. Biologisch betrachtet, ist die „Kriegsmedizin“ des 19. Jahrhunderts („Identifizieren, Isolieren, Abwehren, Bekämpfen, Vernichten“) an ihrem Ende angelangt. Schon vor über 20 Jahren schrieb der bedeutende Mikrobiologe Lederman, dass unser Leben im Guten wie im Bösen mit den Keimen verbunden sei, die uns ausmachen. Es wäre also höchste Zeit, den Fokus der Medizin zu verändern zu einem bessern Verständnis, wie Ökosysteme und Superorganismen friedlich in Kooperation und in gesunden Zusammenhängen gedeihen könnten. Die Kriege der Medizin sorgen nur für krisenstabiles Wachstum industrieller Behandlungen aller Lebensbereiche. Aber sie wuchsen sich inzwischen zu einem der wichtigsten Faktoren für Krankheit aus: bei Tieren und Menschen.