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„Statine sind harmlos“ – sagen zumindest von der Pharmaindustrie bezahlte Experten beim Science Media Center

Das Science Media Center (SMC) hat am 6. Februar 2026 drei deutsche Kardiologen zu einer Meta-Analyse mit dem Titel „Meta-Analyse: Angaben von möglichen Nebenwirkungen bei Statinen meist ohne Evidenz“ befragt. Wie der Titel der Studie schon vermuten lässt, werden dort Statine als allgemein recht gut verträglich dargestellt – allerdings haben die Autoren der Studie auch recht innige Beziehungen zu eben den Pharmafirmen, die diese Produkte herstellen. Schaut man sich die lange Interessenkonflikterklärung nur in Bezug auf relevante Interessenkonflikte an, findet man z.B. einen Autor (ES), der inzwischen Angestellter bei AstraZeneca ist, ein weiterer hat Verträge mit „Amgen, Better Therapeutics, Boehringer-Ingelheim, and Novo Nordisk„, ein weitere Autor (CPC) gibt an, bezahlter Redner für folgende Firmen zu sein: „Amryt–Chiesi, Amgen, Ascendia, Biogen, Boehringer Ingelheim, Bristol Myers Squibb, CSL Behring, Genomadix, Lilly, Janssen, Lexicon, Milestone, Novartis, Pfizer, and Rhoshan„, ein weiterer Autor (SG) ist bezahlter Redner von „Jansen Pharma, Amgen, and Merck Sharp and Dohme„. Ein weiterer Autor (GKH) ist GKH Angestellter bei Novo Nordisk und besitzt Aktien von Novo Nordisk. Der Autor WB ist bezahlter Redner von „AstraZeneca, Novartis, Amgen, Pfizer, The Medicines Company, DalCor Pharmaceuticals, Kowa, Corvidia Therapeutics, OMEICOS, Daichii Sankyo, Novo Nordisk, New Amsterdam Pharma, TenSixteen Bio, Genentech, and Esperion“ etc, etc. … erstaunlich, dass die Arbeit überhaupt beim Lancet untergekommen ist. Wenig erstaunlich hingegen, dass das Science Media Center wieder konzernfreundliche Hofberichterstattung mit einseitig ausgesuchten „Experten“ betreibt.

Für MEZIS interessant wird es aber, wenn man sich die Interessenkonflikte der drei vom SMC zitierten deutschen Experten anschaut:

1) Prof. Weingärtner ist bezahlter Redner und sitzt in Advisory Boards eben der Pharma-Firmen (Amgen, Sanofi, Novartis, Daiichi-Sankyo), zu deren Produkten er eine unabhängige „Experten“-Meinung abgeben soll. Es ist nicht nachvollziehbar, warum das SMC einen „Experten“ mit derlei massiven Interessenkonflikten zu Wort kommen lässt.

2) Prof. Dr. Ulrich Laufs gibt bei SMC an: „Ich habe keine Interessenkonflikte im engeren Sinne (zum Thema). Im weiteren Sinne: Klinische Studien der Universitätsmedizin Leipzig und Honorare für Vorträge von Amgen, Daiichi Sankyo, Novartis, Sanofi.“ Diese Selbsteinschätzung ist offensichtlich falsch, wie seine IK-Erklärung aus einer ESC-Leitlinie zeigt, bekommt auch Herr Laufs Gelder von faktisch allen in diesem Bereich relevanten Pharma-Firmen. 

3) Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Präsident der Deutschen Kardiologischen Fachgesellschaft deklariert bei SMC: Ich besitze keine Interessenkonflikte, nehme seit Jahren keine ‚Industrievorträge‘ an und habe seit Jahren kein Honorar von der Industrie erhalten.“ Auch dies entspricht nicht den Angaben, die er z.B. bei dieser Studie 2025 gemacht hatte: „SB received lecture fees from Bristol Myers Squibb, Boehringer Ingelheim, Daiichi Sankyo, and GSK plc. SB is member of advisory boards and consultant for Thermo Fisher Scientific„.

Fazit: Das Science Media Center veröffentlicht einen Artikel, der die Nebenwirkungen von Statinen beleuchten soll. Schon die Autoren der Studie selbst haben relevante Interessenkonflikte aber schwerer wiegt, dass alle drei vom SMC zitierten „Experten“ ebenfalls relevante Interesenkonflikte haben und diese zumindest teilweise nicht korrekt deklariert haben. Unklar ist zudem, warum das SMC die offensichtlich falschen Interessenkonflikterklärungen der Kollegen nicht überprüft hat und somit ein reiner Meinungsartikel der Pharma-Industrie dabei herausgekommen ist.