Zum Hauptinhalt springen

Verheimlichte Interessenkonflikte bei Studien – für weiterhin dicke Geschäfte mit Abnehmspritzen

Eine aktuelle Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „Frontiers in Endocrinology“ überschlägt sich gerade zu in Lobhudelei für die Wirkstoffe, die die Patienten als „Abnehmspritzen“ kennen. So schwärmen die Autoren im ersten Satz bereits: „Inkre­tinbasierte Therapien und Multi-Rezeptor-Agonisten haben innerhalb einer Generation die breiteste Palette kardiometabolischer Vorteile aller pharmakologischen Wirkstoffklassen erbracht.“ – eine ziemlich steile These, die diese Präparate quasi mit der Entdeckung des Penicillins gleichsetzt. Liest man weiter, stellt man fest, dass dieser Review-Artikel für diese Medikamente nun „einen Lebenszyklus-Rahmen vorschlägt„, um die „Verordnungswege und Zugangssysteme an die Realität einer chronischen Pharmakotherapie mit dieser Wirkstoffklasse anzupassen„. 

Auf gut deutsch: Die Abnehm-Spritzen wirken doch nur, wenn man sie dauerhaft nimmt… und dauerhaft zahlen kann. Auch wenn die Hersteller dieser Präparate das so nicht kommunizieren, ist der befürchtete JoJo-Effekt auch bei diesen „Wundermitteln“ bereits seit letztem Jahr wissenschaftlich nachgewiesen. Grund also für die Hersteller, nun das Storytelling zu ändern: Weg von einer kurzen Therapie zum Diätbeginn hin zur (lukrativeren) Dauertherapie.

Neben der überbordenden Lobhudelei noch ein Grund, sich mal die Neutralität und Transparenz der Autoren anzuschauen.

Die Autoren erklären in der Interessenkonflikterklärung am Ende des Artikels, die Arbeit sei „in Abwesenheit kommerzieller oder finanzieller Beziehungen“ entstanden, die als potenzieller Interessenkonflikt gelten könnten.

Doch diese Aussage ist offensichtlich falsch. So hat einer der Autoren, Herr M. Rizzo in einer anderen Studie 2025 offengelegt: „MR hat Vorträge gehalten, Honorare und Forschungsförderung erhalten sowie an Konferenzen, Beiräten und klinischen Studien teilgenommen, die von zahlreichen Pharmaunternehmen gesponsert wurden, darunter Amgen, AstraZeneca, Biodexa, Boehringer Ingelheim, Kowa, Eli Lilly, Meda, Mylan, Merck Sharp & Dohme, Novo Nordisk, Novartis, Roche, Sanofi und Servier.“

Aber es kommt noch toller: Schaut man etwas weiter, so liest man hier, dass er seit Januar 2019 bei Novo Nordisk als „Chief Medical and Scientific Advisor, Diabetes“ tätig sei und deshalb von seiner Hochschulstelle beurlaubt ist. In einer anderen Interessenkonflikterklärung von 2021 bezeichnet er sich als „Medical Director in Novo Nordisk Eastern Europe„.

Fazit: Eine einzelne Stichprobe beweist grobes wissenschaftliches Fehlverhalten von Angestellten von NovoNordisk bei der Verfassung von tendenziösen Artikeln in Fachzeitschriften.