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Newsletter

Oktober 2026
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Liebe MEZIS Mitglieder, liebe MEZIS Freundinnen und Freunde,

in diesem Newsletter schauen wir ein wenig über den Tellerrand: Unser europäischer Nachbar Frankreich verhängt eine Strafe gegen Novo Nordisk wegen Schleichwerbung, in Kanada führt - wie in Deutschland - die freiwillige Offenlegung von Zahlungen der Pharmaindustrie an Ärztinnen und Ärzte zu keinem Umdenken bezüglich der Entstehung von Interessenkonflikten und ein Cochrane Review eines internationalen Autor:innenteams beleuchtet die Auswirkungen von Pharma-Zahlungen auf die Verordnungsqualität.
Zudem empfehlen wir den aktuellen Pharmabrief der BUKO Pharma-Kampagne, in dem die Einschüchterungsversuche auf die Politik behandelt werden. Der Pharmabrief spezial berichtet über Public Pharma, eine öffentliche Pharmaindustrie für nachhaltige Arzneimittelversorgung.
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist in diesem Newsletter erneut Thema, und wir berichten darüber, was im Verein los ist.

Eine anregende Lektüre wünschen

Annette Diener, Sabine Hensold, MEZIS Geschäftsstelle
und der MEZIS Vorstand Susi Bonk, Manja Dannenberg, Niklas Gutknecht und Niklas Schurig

Jede Spende hilft unserem Verein!


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Frankreich verhängt Geldstrafe für Schleichwerbung von Novo Nordisk: "Kommunikationskampagnen zum Thema Fettleibigkeit"

Niklas Schurig berichtet aus dem GRAS-Newsletter vom 17.9.2026

Nochmal zu Novo Nordisks-Adipositas-Werbekampagne: Frankreich hat eine Strafe von einer Millionen Euro wegen irreführender Werbung erlassen. Klingt viel, ist bei 188 Milliarden Umsatz aber nur 0,000532 % - macht den Braten also nicht "fett" (folgend übersetzt).
FRANKREICH: Geringe Geldstrafe für große Schleichwerbung von Novo Nordisk:
„Kommunikationskampagnen zum Thema Fettleibigkeit“, zum Beispiel Plakate in der U-Bahn „Ich habe beschlossen, für mich & für meine Gesundheit zu handeln“ mit einem Hintergrundbild, das übergewichtige Personen zeigt, die bei dem Gedanken zu „handeln“ ihr Lächeln wiederfinden. Materialien, die die übergewichtige Öffentlichkeit dazu einladen, „mit ihrem Arzt zu sprechen, um bestehende Lösungen zu besprechen“, und die auf die Website www.audeladupoids.fr verweisen, die von Novo Nordisk finanziert wird…
Diese Art von klassischen Praktiken zur Umgehung des Werbeverbots für verschreibungspflichtige Medikamente unter dem Deckmantel von „Sensibilisierungskampagnen“ wird regelmäßig von Le GRAS angeprangert (Gürtelrose, Meningitis…). Aber dieses Mal hat die französische Arzneimittelbehörde (ANSM) im April 2026 anerkannt, dass es sich hierbei um Schleichwerbung für GLP-1-Agonisten handelt, und Novo Nordisk (Saxenda®, Wegovy®) eine Geldstrafe von einer Million Euro auferlegt. Die Behörde hat auch Eli Lilly (Mounjaro®) wegen ähnlicher Vorfälle verurteilt.
Ein Pluspunkt für die ANSM also, aber man hätte sich abschreckendere Geldstrafen gewünscht, angesichts eines Umsatzes von 188 Milliarden Euro, der von Novo für die letzten zwölf Monate bis zum 31. März 2026 gemeldet wurde. ...
https://gras-asbl.be/2026/05/22/france-maigre-amende-pour-grosse-publicite-deguisee-de-novo/

Und zum Thema Abnehmspritzen noch ein wütender Nachtrag:

Verheimlichte Interessenkonflikte bei Studien - für weiterhin dicke Geschäfte mit Abnehmspritzen

Niklas Schurig, 16.10.2026

Eine aktuelle Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „Frontiers in Endocrinology" überschlägt sich geradezu in Lobhudelei für die Wirkstoffe, die die Patient:innen als „Abnehmspritzen" kennen. So schwärmen die Autoren im ersten Satz bereits: "Inkre­tinbasierte Therapien und Multi-Rezeptor-Agonisten haben innerhalb einer Generation die breiteste Palette kardiometabolischer Vorteile aller pharmakologischen Wirkstoffklassen erbracht." - eine ziemlich steile These… Mehr erfahren

Mangelnde Transparenz bei Zahlungen der Pharmaindustrie an kanadische Ärzt:innen und Patient:innengruppen

Lack of Transparancy in Pharmaceutical Industry Payments to Canadian Physicians and Patient Groups
Joel Lexchin, MD, University of Toronto, ON
Healthcare Policy Vol. 21, No. 4, 2026 (€)

Zusammenfassung (deutsche Übersetzung mit Deepl):
Kanada hinkt hinterher, wenn es um Transparenz bei Werttransfers zwischen der Pharmaindustrie und Ärzt:innen sowie Patient:innengruppen geht. In den meisten Ländern mit hohem Einkommen wird Transparenz von der Regierung vorgeschrieben oder ist Voraussetzung für die Mitgliedschaft in Branchenverbänden. Abgesehen von einem Versuch einer früheren liberalen Regierung in Ontario haben sich die Provinz- und Bundesregierungen von diesem Thema ferngehalten, und die Rolle von „Innovative Medicines Canada“ [Branchenverband] war bisher minimal. Es gibt Belege dafür, dass die Entgegennahme von Zahlungen durch Ärzt:innen und Patient:innengruppen mit Handlungen einhergeht, die der Pharmaindustrie zugutekommen. Unternehmen sollten verpflichtet werden, die von ihnen geleisteten Zahlungen offenzulegen.

...soweit die kostenfrei verfügbare Zusammenfassung des Artikels. Wir empfehlen ihn, weil Joel Lexchin darin nicht nur die Situation analysiert; er zieht Schlüsse und fordert die Umsetzung verschiedener Maßnahmen, wie die vollständige Offenlegung aller Zahlungen von Firmen an medizinisches Personal – was nicht an sich etwas ändern würde, gleichzeitig ermöglichen diese Informationen es, Zusammenhänge zwischen den Zahlungen und den anschließenden Aktivitäten der Empfänger herzustellen.
Weitere Anregungen sind u. a. eine umfassende Einführung und Kontrolle von Richtlinien im Umgang mit Interessenkonflikten für alle in der medizinischen Lehre und Ausbildung beteiligten Stätten und Personen und ein Beenden von Zertifizierungen von medizinischen Fortbildungen mit Industriebeteiligung durch die zuständigen Stellen.
https://www.longwoods.com/content/27773/healthcare-policy/lack-of-transparency-in-pharmaceutical-industry-payments-to-canadian-physicians-and-patient-groups

Neuer Cochrane Review: Geschenke und Honorare von Pharmafirmen verschlechtern die Qualität ärztlicher Verordnungen

Cochrane Deutschland, 9.10.2026

Essenseinladungen, Honorare, Fortbildungen und Außendienst-Besuche in Praxen: Pharmaunternehmen weltweit investieren viel Geld, um Ärzt:innen über ihre Medikamente zu informieren. Wie die Cochrane Deutschland Stiftung jetzt mitteilt, zeigt ein neuer Cochrane Review eines internationalen Wissenschaftler-Teams: Ärzt:innen, die Geschenke oder Zahlungen von Pharmafirmen bekommen, verschreiben mehr Medikamente als andere Ärzt:innen – was wahrscheinlich auch zu höheren Arzneimittelkosten führt. Zugleich verschreiben diese Ärzt:innen häufiger Medikamente, die nicht von der entsprechenden medizinischen Leitlinie empfohlen werden.
Für den neuen Cochrane-Review hat ein internationales Autor:innen-Team um Dr. Barbara Mintzes (University of Sydney, Australien) und Dr. Joel Lexchin (York University in Toronto, Kanada) die weltweite Studienlage bis Januar 2025 systematisch durchsucht und 93 Studien ausgewertet. Untersucht wurden vier Fragen: Wie viele Medikamente wurden verschrieben? Was kosteten sie? Wie oft beantragten Ärzt:innen, ein Medikament in die Arzneimittelliste ihres Krankenhauses aufzunehmen? Waren die verschriebenen Medikamente leitliniengerecht, also medizinisch sinnvoll? Dabei hat keine der ausgewerteten Studien untersucht, ob sich die beobachteten Verschreibungsmuster auf die Gesundheit von Patient:innen auswirken.
Pressemitteilung von Cochrane Deutschland:
https://www.cochrane.de/news/pressemitteilung-zum-cochrane-review-geschenke-und-honorare-von-pharmafirmen-verschlechtern
Hier geht es zum Review:
https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD013423.pub3/full#CD013423-abs-0001

BUKO Pharma-Kampagne beleuchtet Einschüchterungsstrategien der Pharmaindustrie auf die Politik

Pharmabrief 5-6/2026, 28. September 2026

Wie viel Druck kann die Pharmaindustrie eigentlich auf die Politik ausüben? Und sind ihre Argumente überhaupt tragfähig? Darum geht es im Leitartikel. Welche Alternativen gibt es, wenn die Drohung im Raum steht, neue Medikamente einfach nicht mehr auf den Markt zu bringen oder wenn die Preisforderungen unbezahlbar werden? Mit diesen Fragen setzt sich der beiliegende Spezial „Public Pharma“ auseinander.
Wie problematisch die Marktmacht der Industrie auch in der Forschung sein kann, macht das Medikament Avacopan deutlich. Dessen Anbieter verfuhr nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“. Ein mustergültiges Beispiel für den Konflikt zwischen Wissenschaft und Aktienkurs.
Hier geht es zum aktuellen Pharmabrief:
https://bukopharma.de/pharmabrief/pharma-brief-5-6-2026-pharmalobby-gesundheitspolitik-und-hiv-aids/
Hier geht es zum Pharmabrief spezial:
https://bukopharma.de/pharmabrief/pharma-brief-spezial-1-2026-public-pharma/

Digitalisierung des Gesundheitswesens

Krankenkassen: So widersprecht ihr der Analyse eurer Gesundheitsdaten
Mike Kuketz, kuketz-blog, 19. Oktober 2026

Wer seine Gesundheitsdaten nicht mit der Krankenkasse teilen will, muß nochmal extra widersprechen. Krankenkassen dürfen Diagnosen und Medikamente aus Abrechnungsdaten ohne Einwilligung auswerten. Mindestens vier Wochen zuvor müssen sie über die Auswertung und das Widerspruchsrecht informieren - nicht zwingend persönlich. 71 % der Versicherten wissen laut Forsa nichts davon. Kommt die Info also bei den Versicherten an?
So widersprecht ihr nach § 25b SGB V dauerhaft. 👇
https://www.kuketz-blog.de/krankenkassen-so-widersprecht-ihr-der-analyse-eurer-gesundheitsdaten/

Weitere Infos und einen e-PA-Widerspruchsgenerator findet ihr hier:
https://widerspruch-epa.de/ (MEZIS ist Teil dieses Bündnisses)

E-Patientenakte: Wenig Aufklärung über Forschungsdatenausleitung
Marie-Claire Koch, heise-online, 29. September 2026

Bald sollen Daten aus der elektronischen Patientenakte an das Forschungsdatenzentrum fließen. Viele Versicherte wissen davon nichts.
https://www.heise.de/news/Forschungsdaten-aus-E-Patientenakte-Kassen-informieren-erst-kurz-vor-dem-Start-11469499.html?wt_mc=nl.red.ho.digitalhealth.2026-10-09.link.link

Was gibt es noch Neues?

Zusammengestellt von Annette Diener

Hersteller-unabhängige Informationen über Arzneimittel und Therapiemöglichkeiten für Verschreibende und auch für Personen, die Leistungen aus dem Gesundheitswesen verschrieben bekommen, sind ein wichtiges öffentliches Gut. In Deutschland halten hier vor allem die in der Ärzteschaft bekannten Mitgliedszeitschriften der International Society of Drug Bulletins „die Fahne hoch“: Der Arzneimittelbrief, das arznei-telegramm, der Pharma-Brief, Gute Pillen – Schlechte Pillen. International gibt es weitere Zeitschriften, z. B. The Medical Letter (USA), Drug Therapeutics Bulletin (GB), Australian Prescriber (AUS), pharma-kritik (CH) und Prescrire International (F) (hier eine Übersicht: https://www.arznei-telegramm.com/wir) und natürlich weitere Institutionen, wie z. B. die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft AkdÄ mit Arzneiverordnung in der Praxis und Cochrane. Zwei dieser verlässlichen Quellen berichten nun über Änderungen:
Das arznei-telegramm wird zum Ende des Jahres 2026 eingestellt.
https://www.arznei-telegramm.com/de/6525/eine-aera-geht-zu-ende-das-arznei-telegrammsup174sup-erscheint-letztmalig-im-dezember-2026
Cochrane Deutschland berichtet, dass das Bundesministerium für Gesundheit die Förderung Ende 2027 aussetzt.
https://www.cochrane.de/news/bundesfoerderung-laeuft-aus-zukunft-der-cochrane-deutschland-stiftung-ist-ungewiss
Diese Meldungen sind erst einmal aufrüttelnd, denn hier wird angekündigt, dass etwas verschwinden wird, was wir nutzten und was verlässlich war. Vielleicht lässt sich die Entscheidung in mancher Hinsicht noch drehen - gleichzeitig gibt es bereits jetzt weitere Möglichkeiten, unabhängige Informationen zu beziehen. Es liegt an jeder Person selbst, sie ausfindig zu machen.

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Auf dem Bewertungsportal von Leitlinien Leitlinienwatch, in dem ein Team (MEZIS ist stolzes Mitglied!) das Interessenkonfliktmanagement bei der Erstellung von Leitlinien bewertet, haben wir neue Bewertungen zu folgenden Leitlinien veröffentlicht:
Kolorektales Karzinom https://www.leitlinienwatch.de/kolorektales-karzinom-3/
Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten https://www.leitlinienwatch.de/therapie-der-rheumatoiden-arthritis-mit-krankheitsmodifizierenden-medikamenten-2/
Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz
https://www.leitlinienwatch.de/invasive-beatmung-und-einsatz-extrakorporaler-verfahren-bei-akuter-respiratorischer-insuffizienz-2/
Focused update of the 2019 ESC/EAS guidelines for the management of dyslipidaemias
https://www.leitlinienwatch.de/2025-focused-update-of-the-2019-esc-eas-guidelines-for-the-management-of-dyslipidaemias/

...und was machen die MEZIS noch so?

...also außer Vorträge zu halten, mit Ständen aufzutreten, Interviews zu geben, Kurznachrichten auf www.mezis.de zu veröffentlichen, zu vernetzen, Erfahrungen weiterzugeben,…

Die Vorbereitungen für unsere MEZIS Fachtagung 2027 und 20-Jahre-Jubiläumsfeier gehen weiter. Der Termin, das Thema und der Ort stehen fest:
12. bis 14. November 2027 „Fortbildungsgipfel“ in Bonn
Wir freuen uns, bei dieser Gelegenheit ärztliche Fortbildung gemeinsam mit euch und Verantwortlichen neu zu denken. Anschließend wollen wir feiern. Notiert euch bitte schon den Termin!
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Wer besucht den DGPPN-Kongress in Berlin vom 25. bis 28. November 2026 und möchte Annette am MEZIS Stand unterstützen? Bitte direkt bei Annette diener@mezis.de melden.
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Der MEZIS Vortrags-Sammlungsordner ist online! Wie gewünscht liegt in der MEZIS Nextcloud ein Ordner mit einem kleinen Anleitungstext als Testlauf. Ziel ist es, für MEZIS Vorträge nicht immer das Rad neu erfinden zu müssen und vielleicht gute Anregungen zu bekommen. Bitte Feedback direkt an Niklas Schurig schurig@mezis.de. Los geht's:
https://nextcloud.mezis.de/index.php/s/NG6JjcbawCt6s7w

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In unserem Signal Chat informieren sich die MEZIS Mitglieder gegenseitig über interessante Meldungen und Mitteilungen aus den Medien und diskutieren darüber. Der Chat ist für Signalnutzende unter diesem Link zu finden:
https://signal.group/#CjQKIJ8vXu_2Tko1EYwEmH02apyc4ZYvzH2W9jp4et-FzKgmEhCxxLNhV9-90jQEQJZV2Nya
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