Pharmafirmen sind Wirtschaftsunternehmen und erforschen neue Medikamente, die möglichst hohe Erträge einspielen sollen. Märkte, in denen sowohl das öffentliche Gesundheitssystem als auch die PatientInnen selbst wenig Kaufkraft haben, verlieren an Interesse. Doch gerade die Menschen in armen Ländern benötigen besonders dringend innovative und erschwingliche Medizin.

„1,9 Milliarden Menschen sind in Gefahr derzeit durch vernachlässigte Tropenkrankheiten (Neclected Tropical Diseases – NTDs) weltweit arbeitsunfähig, blind, entstellt, behindert zu werden oder zu sterben. Der ärmste Teil der Bevölkerung, vor allem Frauen und Kinder, sind am stärksten betroffen. Kinder gehen unregelmäßig zur Schule, Frauen und Männer können nicht arbeiten. Viele werden von ihrer Umwelt stigmatisiert. Eine erfolgreiche Vorbeugung und Behandlung ist indes teilweise bereits möglich.

Die zur Verfügung stehenden Methoden, Impfstoffe und Medikamente erreichen die Patienten allerdings häufig nicht. Daneben gibt es weiterhin noch große Lücken in der Vorbeugung, Bekämpfung und Behandlung. Forschung und Entwicklung müssen dringend auch im Bereich vernachlässigter Tropenkrankheiten weitergehen; die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten ist zur wirksamen Bekämpfung einer Reihe von NTDs unerlässlich.“ beschreibt das Deutsche Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenerkrankungen (DNTDS) die Situation.

Ärzte ohne Grenzen führt weiter aus:„Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Liste vernachlässigter Tropenkrankheiten aufgesetzt). Aktuell stehen 17 Krankheiten darauf: von A wie Afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit) bis Z wie Zystizerkose. Ihre Überträger kommen meist nur in tropischen Klimazonen vor. So tragen Tsetse-Fliegen den Parasiten in sich, der die Schlafkrankheit verursacht, Tigermücken übertragen das Dengue-Fieber, Sandmücken die Leishmaniose.

Nicht die tropischen Bedingungen machen diese Krankheiten so verheerend, sondern die Lebensumstände in den betroffenen Ländern: Dort sind viele Menschen zu arm, um sich zu schützen, etwa Mückennetze zu bezahlen oder Wasser abzukochen. Die Gesundheitssysteme sind oft rudimentär. In manchen Regionen Afrikas kommen nur ein bis zwei Ärzte auf 100.000 Einwohner“.