Was kann eine Ärztin oder ein Arzt tun, um sich von den Beeinflussungsversuchen der Pharma-Hersteller frei zu machen?

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte sind sich des Problems der Einflussnahme durch Hersteller bewusst – und das ist der erste Schritt, damit sich etwas ändert. Nur wer anerkennt, dass sie oder er beeinflussbar ist, kann als Ärztin oder Arzt professionelle Distanz zu den Herstellern einnehmen.

Im zweiten Schritt gilt es, Maßnahmen zu ergreifen: Viele Ärztinnen und Ärzte reduzieren inzwischen die Besuchsfrequenz von Pharma-Vertreterinnen und -Vertretern oder weigern sich ganz, sich durch diese bequeme, aber eben unprofessionelle Methode „informieren” zu lassen.

Ein weiterer Punkt betrifft das übrige Fortbildungsverhalten: Leider beeinflusst die Pharma-Industrie auch die Mehrzahl der ärztlichen Fachzeitschriften und selbst wissenschaftliche Kongresse auf vielfältige Weise. Sie beeinflussen die Organisation, bestimmen die Themen und bezahlen die Referierenden. Zunehmend gibt es aber Alternativangebote, die sponsoringfrei sind. Die Kosten tragen die Ärztinnen und Ärzte – ein geringer Preis für die Unabhängigkeit.

Meine Ärztin oder mein Arzt sagt mir, dass sie oder er von der Industrie finanzierte Kongresse und Fortbildungen gar nicht meiden kann. Stimmt das?

Die Situation in den einzelnen Facharztgruppen ist unterschiedlich. Aber es ist richtig – in vielen Regionen gibt es z. B. keine pharmafreien Fortbildungsveranstaltungen zu „arzneilastigen” Themen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzinfarkt. Eine Aufgabe von MEZIS ist, das zu ändern.

Wie ist denn die Resonanz bei Ärztinnen und Ärzten auf die Initiative „Mein Essen zahl‘ ich selbst“?

Funk, Fernsehen, Presse und Online-Medien brachten ausführliche Berichte über MEZIS-Ärztinnen und -Ärzte, die sich dem Einfluss der Pharmaindustrie entziehen. Natürlich gibt es auch Anfeindungen. Viele Ärztinnen und Ärzte haben in den letzten Jahren unter Einkommensverlusten gelitten und wenig Verständnis dafür, wenn sie im Fortbildungsbereich neue Kosten übernehmen sollen. Immer mehr Ärztinnen und Ärzte realisieren aber, dass die knappen Budgets im Gesundheitswesen vor allem Folge der explodierenden Arzneimittelkosten sind - und dass sich hier etwas ändern muss. Zudem wird zunehmend bei Patientinnen und Patienten ein Vertrauensverlust ihren Ärztinnen und Ärzten gegenüber spürbar. Der Grund sind Interessenkonflikte, Korruption und Bestechlichkeit der Ärzteschaft.

Auch wenn über 1.000 aktive Kolleginnen und Kollegen sowie Förderinnen und Förderer immer noch zu wenig sind, stößt MEZIS viele Diskussionen an. Wir freuen uns über Mitgliederzuwachs!

Wie finanziert sich MEZIS?

MEZIS finanziert sich über Mitgliederbeiträge, gemeinnützige Anträge, Teilnehmerbeiträgen und Spenden. MEZIS ist auf Spenden angewiesen, um unabhängig und wirkungsvoll arbeiten zu können.

Die Arbeit von MEZIS e.V. ist vom Finanzamt Lemgo als „besonders förderungswürdig” anerkannt. Ihre Spende ist deshalb steuerlich absetzbar. Eine Spendenquittung schicken wir Ihnen zu Beginn des Folgejahres ohne Aufforderung zu.

Unseren Jahres- und Finanzberichte finden Sie hier. Wir arbeiten nach den Richtlinien von Transparency International. Sie können uns entweder über unser Spendenformular bequem eine einmalige Einzugsermächtigung geben oder die Spende überweisen.

Unsere Bankverbindung lautet:

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Muss ich aktiv sein, wenn ich MEZIS beitrete?

Nein - Sie können, müssen aber nicht. Auch passive und Fördermitglieder, die unsere Arbeit solidarisch unterstützen, sind willkommen. Denn je mehr wir werden, desto lauter ist unsere Stimme. Sie können sich bei MEZIS jedoch auch jederzeit aktiv einbringen.

Wichtig ist vielen aktiven MEZIS-Mitgliedern der Austausch unter Gleichgesinnten. Sie möchten sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen, die anders denken und handeln. Dafür gibt es Regionaltreffen, unsere Jahrestreffen und auch die Mailingliste.

Schaden Ärztinnen und Ärzten denn ihren Patientinnen und Patienten, wenn sie die Arzneimittel verschreiben, die die Pharmaberatenden ihnen empfehlen?

In der Tat bewerben Arzneimittelhersteller zumeist ihre jeweils neuesten Präparate. Nicht nur, um diese bekannt zu machen, sondern weil sie praktisch immer ein Mehrfaches ihrer Vorläufersubstanzen kosten und entsprechende Gewinne einfahren. Manchmal steigt der Preis sogar auf das Zehnfache. Aber es sind nicht nur die Kosten, es ist auch die viel geringere Erfahrung mit neuen Medikamenten, die die Patientinnen und Patienten bei der Einnahme erst jüngst zugelassener Medikamente zusätzlichen Risiken aussetzt.

Insbesondere bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten gibt es nur wenige Fälle, in denen ein neu zugelassenes Medikament tatsächlich verschrieben werden sollte. Untersuchungen mehrerer deutscher kassenärztlicher Vereinigungen zeigen aber: Ärztinnen und Ärzte, die Pharma-Vertreterinnen und -Vertreter zu sich lassen, verordnen viel mehr – Fachleute sagen viel zu viel – „innovative”, also erst seit kurzem zugelassene Medikamente.

Wie können Pharma-Referentinnen und -Referenten einen solchen Einfluss ausüben, obwohl sie eigentlich nur objektiv informieren sollen?

Pharma-Vertreterinnen und -Vertreter informieren nicht, sie sind Verkaufs-Profis und machen Werbung. Sie werden intensiv darin geschult, sich emotional auf die Ärztin oder den Arzt einzulassen und quasi freundschaftlich an sich zu binden.

So etwas schafft Loyalitäten und – oftmals unbewusste – Abhängigkeiten. So werden die Pharma-Vertreterinnen und -Vertreter als willkommene Unterbrechung des emotional sehr anstrengenden Praxisalltags gesehen. Dass das funktioniert, zeigt die große Zahl von über 15.000 Pharma-Vertreterinnen und -Vertreter allein in Deutschland. Jeder von ihnen kostet 125.000 - 200.000 € im Jahr.

Würde dieses Geld nicht Wirkung zeigen, würden die Hersteller es auch nicht ausgeben. Immer, wenn Pharma-Hersteller versucht haben, die Ausgaben für den Außendienst zu reduzieren, ging die Zahl der Verordnungen ihrer Produkte zurück.

Gratis-Muster, Kugelschreiber und Kaffeetassen oder auch einmal eine Einladung zum Abendessen bei einer Fortbildung – sind Ärztinnen und Ärzte durch solche Angebote wirklich zu bestechen?

61 % der Medizinerinnen und Mediziner glauben von sich selbst, dass sie „überhaupt nicht“ durch Pharma-Geschenke in ihrem Verordnungsverhalten beeinflusst werden. Bei ihren Kolleginnen und Kollegen glauben sie jedoch, dass nur 16 % überhaupt nicht beeinflussbar sind – und entsprechend 84 % durch Pharma-Geschenke gelegentlich oder häufig in ihrem Verschreibungsverhalten beeinflusst werden.

Wissenschaftliche Untersuchungen in den USA und Kanada haben zudem gezeigt, dass häufige Besuche von Pharma-Vertreterinnen und -Vertretern, verbunden mit solchen Geschenken, sich nachweisbar darauf auswirken, welche Arzneimittel eine Ärztin oder ein Arzt verschreibt.

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