Das Problem der Übertherapie am Lebensende betrifft jeden zweiten unserer PatientInnen. Da gibt es eine immer „großzügigere Indikation“ für Chemotherapie, Intensivbehandlung und Operation. Und wenn sich die oft greisen, multimorbiden Patienten nicht erholen, geht es intensivtherapiert und beatmet nach Hause oder in Beatmungs-WGs. Jedes Jahr gibt es hier 15% Steigerung, mittlerweile wird jeder 2. Euro zu ambulanten Pflegeleistungen für die Intensivbehandlung daheim ausgegeben. Angesichts von Tagespauschalen von teils 800 € ist der PatientInnenwille oft zweitrangig. Den Kassen fehlt Geld, der Zusatzbeitrag wird sich in den nächsten 4 Jahren verdoppeln.

Das Problem schreitet fort, seit die Krankenhausfinanzierung 2004 von einer Kostendeckung nach Liegezeit auf Gewinn durch viele Eingriffe bei schlimmen Diagnosen umgestellt wurde. Über Bonusverträge werden Chefärzte gewinnbeteiligt. Entgegen der Empfehlungen der Bundesärztekammer hatten 2015 noch 97% der neuen Chefarztverträge entsprechende wirtschaftliche Anreize. Längst warnen auch Fachverbände, der Deutsche Ethikrat, die Leopoldina, der Sachverständigenrat von Bundestag und Bundesrat sowie die Bertelsmann Stiftung (Übersicht bei www.uebertherapie.de), zaghaft zeigt sich eine erste Gegenbewegung.

Das Thema ist in hohem Maße „MEZIS“-relevant, weil hier durch Geldanreize (Stichwort Chefarztbonusverträge bzw. AWB, bzw. fehlanreizende Gebührenordnungspositionen) die unabhängige ärztliche Indikationsstellung korrumpiert wird.

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Matthias Thöns

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